Übersicht klimatischer Vorraussetzungen

Multifunktionale Flächennutzung in Gewerbe- und Industriegebieten

Verschaffen Sie sich einen Überblick über die klimatischen Voraussetzungen des Gewerbe- oder Industriegebiets, in der die Immobilie verortet ist. Diese Rahmenbedingungen haben Einfluss darauf, auf welche Maßnahmen notwendig sind.

Hitzegefährdung

Warum sind Hitzebelastungen ein Risiko für Gewerbegebiete?

Anhaltende Hitzeperioden und häufigere Hitzewellen führen zu einer starken Aufheizung von Gebäuden, Hallendächern, Lagerflächen, Parkplätzen und weitläufigen versiegelten Arealen, wie sie in vielen Gewerbegebieten typisch sind. Der „Hitzeinsel-Effekt“ tritt hier ebenfalls auf – oft sogar stärker, da große Dach- und Asphaltflächen kaum Kühlung bieten. Dadurch steigen nicht nur die Kosten für Klimatisierung und Kühlung von Produktionsanlagen, sondern auch die gesundheitliche Belastung für Mitarbeitende.

Hohe Temperaturen können zu Hitzestress, Konzentrationsverlust, Kreislaufproblemen und einer erhöhten Unfallgefahr am Arbeitsplatz führen – besonders in körperlich belastenden Tätigkeiten oder in Produktionshallen mit ohnehin hohen Prozesswärmen. Hitze kann auch Maschinenleistung und Produktqualität beeinträchtigen, z. B. durch Überhitzung empfindlicher Technik oder verkürzte Nutzungsdauer von Materialien. Zusätzlich leidet die Infrastruktur: Asphaltflächen und Fahrbahnen können sich verformen, Kühlanlagen laufen ineffizient, und vertrocknete Grünflächen verlieren ihre regulierende Wirkung. Die zunehmende Hitzebelastung beeinflusst somit sowohl die betriebliche Leistungsfähigkeit als auch die Attraktivität und Funktionsfähigkeit eines gesamten Gewerbegebiets.

Welche Klimaanpassungsmaßnahmen können Abhilfe schaffen?

  • Maßnahmen zur Reduzierung der Außentemperatur, z. B. großflächige (Dach- und Fassaden-)Begrünung, Entsiegelung, Wasserflächen etc.
  • Erhaltung von Frischluftschneisen, z. B. durch eine windströmungsangepasste Baukörperausrichtung, Freihaltung von Frischluftkorridoren
  • Maßnahmen zu Regulierung des Innenklimas, z. B. durch Fassadenbegrünung als natürliche Isolation

Ist mein Gebiet von Hitzebelastungen betroffen?

Informationen finden Sie üblicherweise hier:

  • Stadtklimaanalyse / Klimafunktionskarte
  • Hitzeaktionsplan
  • Klimaanpassungskonzept

Typische Indikatoren für eine bestehende Hitzebelastung:

  • Anzahl heißer Tage (Tageshöchsttemperatur über 30°C)
  • Anzahl von Sommertagen

      (Tageshöchsttemperatur über 25°C)

  • Anzahl von Tropennächten

      (Tagestiefsttemperatur über 20°C)

  • PET-Wert
    (tatsächliche thermische Belastung)
  • Bodennahe Lufttemperatur

Weiterführende Links:

  • Digitaler Hitzeatlas, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie: Hitzeatlas

Einige Bundesländer und Regionen bieten kostenlose und online zugängliche Informationen zur klimatischen Situation für ihr gesamte Gebiet an, z. B.:

Starkregenrisiko

 

Welche Gefahren bringen Starkregenrisiken für den menschlichen Lebensraum?

Starkregenereignisse treten in Deutschland infolge des Klimawandels immer häufiger und intensiver auf. Innerhalb kurzer Zeit fallen dabei große Niederschlagsmengen, die lokal und oft ohne Vorwarnung auftreten. Gewerbegebiete sind besonders gefährdet, da oft große Flächen versiegelt sind und Regenwasser kaum versickern kann. So fließt es über Betriebsflächen, Zufahrtsstraßen oder Parkplätze ab und kann in Hallen, Technikräume, Lager oder Tiefgaragen eindringen. Wird die Kanalisation überlastet, kann sich das Wasser auf der Oberfläche anstauen und zu Sturzfluten führen, die ganze Standortbereiche betreffen können.

Für Unternehmen und die betriebliche Infrastruktur können daraus entstehen erhebliche Risiken entstehen. Gebäude, Maschinen, Fahrzeuge und Warenbestände können in kurzer Zeit beschädigt oder zerstört werden. Überflutete Verkehrs- und Logistikwege stören Lieferketten und können den Betrieb kurzfristig lahmlegen. Zusätzlich entstehen gesundheitliche Risiken für Mitarbeitende durch verunreinigtes Wasser oder Schimmelbildung in betroffenen Gebäuden. Auch Freiflächen und Grünstrukturen im Gewerbegebiet können durch Unterspülungen oder Erosion geschädigt werden, was langfristig die Stabilität und Nutzbarkeit des Geländes beeinträchtigt.

Welche Klimaanpassungsmaßnahmen können Abhilfe schaffen?

  • Maßnahmen zur Zwischenspeicherung von Regenwasser, z. B. naturnah gestaltete Regenrückhaltebecken, Gründächer, Regenwassernutzungssysteme etc.
  • Maßnahmen zur Versickerung von Regenwasser, z. B. naturnah gestaltete Versickerungsmulden, Retentionsteiche, Entsiegelung, Baumrigolen etc.

Ist mein Gebiet von Starkregenrisiken betroffen?

  • Informationen finden Sie üblicherweise hier:
    • Starkregengefahrenkarte (kommunal, regional oder überregional)
    • Starkregenvorsorgekonzept (kommunal, regional oder überregional)
    • Kommunales/kreisweites Klimaanpassungskonzept

    Typische Indikatoren für eine bestehende Hitzebelastung:

    • Starkregenkategorien: Starkregen (alle 1-5 Jahre), intensiver Starkregen (alle 10-30 Jahre), außergewöhnlicher Starkregen (alle 50-100 Jahre), extremer Starkregen (seltener als 1x in 100 Jahren)
    • Überflutungstiefen
    • Fließgeschwindigkeiten

    Weiterführende Links:

    Einige Bundesländer und Regionen bieten kostenlose und online zugängliche Informationen zu Starkregenrisiken für ihr gesamtes Gebiet an, z. B.:

Hochwasserrisiko

 

Welche Gefahren bringen Hochwasserrisiken für Gewerbegebiete?

Durch den Klimawandel nehmen Starkregenereignisse, anhaltende Niederschläge und plötzliche Wetterumschwünge zu. Diese führen dazu, dass Flüsse, Bäche und Entwässerungsgräben schneller über die Ufer treten und technische Entwässerungssysteme in Gewerbegebieten an ihre Kapazitätsgrenzen geraten können. Auch langanhaltende Regenperioden, frühe Schneeschmelze oder nach Dürrephasen stark verdichtete Böden können Hochwasser begünstigen und die Abflussmengen weiter erhöhen. In hoch versiegelten Gewerbearealen kann Wasser kaum versickern, wodurch Sturzfluten entstehen können, die innerhalb kürzester Zeit Hallen, Betriebshöfe, Keller oder technische Anlagen überfluten.

Die Folgen für Unternehmen sind erheblich: Hochwasser gefährdet die Sicherheit von Mitarbeitenden, verursacht große Sach- und Produktionsschäden und beeinträchtigt Energieversorgung, IT-Infrastruktur, Verkehrsanbindung und Logistikprozesse. Zusätzlich entstehen gesundheitliche Risiken durch verunreinigtes Wasser, Schimmelbildung oder kontaminierte Betriebsstoffe. Je nach Ereignisstärke können Produktionsstätten, Lagerflächen oder Bürogebäude zeitweise unbenutzbar werden, was zu Betriebsunterbrechungen, Lieferausfällen und deutlichen wirtschaftlichen Einbußen führt.

Welche Klimaanpassungsmaßnahmen können Abhilfe schaffen?

Hochwasserschutz durch Maßnahmen zur natürlichen Versickerung und der Zwischenspeicherung, z. B. Widerrenaturierung und Offenlegung von Gewässern, Versickerungsmulden und Retentionsdächer, Entsiegelung,  Sickerstreifen entlang von Straßen, etc.

Ist mein Gebiet von Hochwasserrisiken betroffen?

  • Informationen finden Sie üblicherweise hier:
    • Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten
    • Ermittelte Überschwemmungsgebiete (kommunal, regional oder überregional)
    • Hochwasserschutzkonzept (kommunal, kreisweit oder regional)
    • Kommunales/kreisweites Klimaanpassungskonzept

    Typische Indikatoren für eine bestehende Hitzebelastung:

    • Hochwasserkategorien: HQ10 (alle 1-5 Jahre), HQ50 (alle 10-30 Jahre), HQ100 (alle 50-100 Jahre), HQ1000 (seltener als 1x in 100 Jahren)
    • Überflutungstiefen
    • Fließgeschwindigkeiten

    Weiterführende Links:

    Einige Bundesländer und Regionen bieten kostenlose und online zugängliche Informationen zu Hochwasserrisiken für ihr gesamtes Gebiet an, z. B.:

Grundwasserabsenkung & Wassermangel

 

Welche Gefahren bringt Wassermangel für Gewerbegebiete?

Lokale Wasserknappheit wird in Deutschland zunehmend zu einem spürbaren Problem. Längere Trockenperioden, hohe Temperaturen und ausbleibende Niederschläge führen zu einer relativen Wasserknappheit, bei der die verfügbaren Wasserressourcen zeitweise nicht mehr ausreichen, um alle Bedürfnisse gleichzeitig zu decken. Diese Entwicklung betrifft nicht nur die Landwirtschaft, sondern zunehmend auch städtische Räume. Ausgetrocknete Böden verlieren ihre Speicherfähigkeit und können Niederschläge schlechter aufnehmen.

Das verringert die Grundwasserneubildung und kann langfristig die Wasserverfügbarkeit für Betriebe beeinträchtigen – etwa für Produktionsprozesse, Kühlung, Reinigung oder Bewässerung von Außenflächen. In stark versiegelten Gewerbearealen kommt hinzu, dass wenig Wasser versickert und gleichzeitig das Risiko oberflächlicher Abflüsse nach Trockenphasen steigt. Die Vegetation auf Betriebsgeländen leidet unter Trockenheit: Bäume vertrocknen, Grünflächen verlieren ihre kühlende Wirkung und die Aufheizung des Gewerbegebiets verstärkt sich. Für Unternehmen bedeutet lokale Wasserknappheit wachsende Belastungen: strengere Wasserentnahme-Regelungen, Einschränkungen bei der Nutzung von Brauch- oder Löschwasser sowie ein erhöhtes Risiko von Produktionsausfällen und Hitzestress für Mitarbeitende.

Welche Klimaanpassungsmaßnahmen können Abhilfe schaffen?

  • Maßnahmen zur Reduzierung der Außentemperatur, z. B. großflächige (Dach- und Fassaden-)Begrünung, Entsiegelung, Wasserflächen etc.
  • Erhaltung von und  Frischluftschneisen, z. B. durch eine windströmungsangepasste Baukörperausrichtung, Freihaltung von Frischluftkorridoren etc

Ist mein Gebiet von einer klimabedingten Beeinträchtigung der Luftqualität betroffen?

  • Informationen finden Sie üblicherweise hier:
    • Kommunales/kreisweites Klimaanpassungskonzept

    Typische Indikatoren für eine bestehende Beeinträchtigung der Luftqualität:

    • Luftqualitätsindex (LQI)
      (betrachtet den Gehalt von Feinstaub, Stickstoffoxid und Ozon in der Luft)
    • (Anzahl von Trockentagen
      (Tage <1 mm Niederschlag [Tage/Jahr)

    Weiterführende Links:

    Einige Bundesländer und Regionen bieten kostenlose und online zugängliche Informationen zum Frischluftaustausch für ihr gesamtes Gebiet an, z. B.:

Beeinträchtigung der Luftqualität

Welche Gefahren bringt eine beinträchtige Luftqualität für den menschlichen Lebensraum?

Die Luftqualität ist ein zentraler Faktor für die Gesundheit des Menschen und die Qualität seines Lebensraums. Luftschadstoffe wie Feinstaub, Stickstoffoxide und bodennahes Ozon beeinträchtigen die Atemwege, erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und können die Lebenserwartung verringern.

Der Klimawandel verschärft diese Problematik: Warme, sonnige und windarme Wetterlagen fördern die Bildung von bodennahem Ozon, das insbesondere im Sommer stark ansteigt. Hinzu kommen erhöhte Feinstaubfreisetzungen durch Trockenheit, Abrieb auf Verkehrs- und Lagerflächen sowie Schadstoffe aus häufigeren Vegetations- und Waldbränden, die bei stabilen Wetterlagen länger in der Luft verbleiben. Eine schlechte Luftqualität beeinträchtigt damit nicht nur die Gesundheit der Mitarbeitenden, sondern auch das Arbeitsumfeld, die Aufenthaltsqualität im Gewerbegebiet und langfristig die Attraktivität des Standorts.

Quelle: Der Einfluss von Klimawandel auf die Luftqualität

Welche Klimaanpassungsmaßnahmen können Abhilfe schaffen?

  • Maßnahmen zur Zwischenspeicherung und Nachnutzung von Regenwasser, z. B. naturnah gestaltete Regenrückhaltebecken, Gründächer, Regenwassernutzungssysteme etc.
  • Maßnahmen zur Versickerung von Regenwasser vor Ort, z. B. Retentionsmulden, Baumrigolen, Entsiegelung etc.

Ist mein Gebiet von Wassermangel betroffen?

Informationen finden Sie üblicherweise hier:

  • Kommunales/kreisweites Klimaanpassungskonzept

Typische Indikatoren für eine bestehende Hitzebelastung:

  • Standardisierter Niederschlagsindex 3 (SPI)
    (SPI im Minus: Dürre)
  • Anzahl von Trockentagen
    (Tage <1 mm Niederschlag [Tage/Jahr)

Weiterführende Links:

  • Wasser-Monitor für Deutschland und die Region, Forschungszentrum Jülich: Wassermonitor
  • Digitaler Dürreatlas, Bundesamt für Kartographie und Geodäsie: Dürreatlas

Einige Bundesländer und Regionen bieten kostenlose und online zugängliche Informationen zu Dürre- und Trockenperioden für ihr gesamtes Gebiet an, z. B.:

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