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Kommunalbefragung
nachhaltige Gewerbegebiete
2025

Im Rahmen einer bundesweiten Online-Befragung vom 07. bis 25. Mai 2025 gaben 165 Expert:innen aus Wirtschaftsförderung, Stadtplanung, Industrie- und Handelskammern sowie Klimamanger:innen Einblicke in die Herausforderungen bei Klimaschutz und Klimaanpassung im Kontext von Industrie- und Gewerbegebieten. Im Folgenden stellen wir Ihnen die zentralen Befragungsergebnisse vor:

Klimaanpassung gewinnt auch in Gewerbegebieten zunehmend an Bedeutung!

rund
70%
sind der Meinung, dass bei zukünftigen Planverfahren für Gewerbegebiete Nachhaltigkeitsstandards eine große Bedeutung haben werden.
rund
51%
der Kommunen haben Zugang zu regionalen Förderprogrammen (Klimaschutz & Klimaanpassung), rd. 31 verfügen über kommunale Förderprogramme
nur rund
22%
der Kommunen verfügen über personelle Ressourcen zur Förderung von Nachhaltigkeit in Gewerbegebieten

Identifizierte Hemmnisse

In Gewerbegebieten gibt es weiterhin große Herausforderungen, welche die Realisierung von naturbasierten und multifunktionalen Lösungen behindert. Die häufigsten Hemmnisse sind:

Hemmnisse naturbasierte Lösungen:

Finanzielle Lage und Aufwand – fehlende kommunale Mittel, fehlende Fördermittel, generell hoher Kosten- und Umsetzungsaufwand

Platzmangel und hohe Flächenkonkurrenz – verfügbare Fläche in Kommunen begrenzt, in Gewerbegebieten primär für betriebliche Nutzungen beansprucht

Unklare Wirtschaftlichkeit – bestehende Unsicherheiten über die langfristige Kosteneinsparung von Naturbasierten Lösungen

Hemmnisse multifunktionale Flächennutzung:

Finanzielle Lage und Aufwand – fehlende kommunale Mittel, fehlende Fördermittel, generell hoher Kosten- und Umsetzungsaufwand

Planungsrechtliche und bürokratische Hürden – lange Planungszeiträume, fehlende Vorgaben im Bebauungsplan

Fehlende Überzeugung – hinsichtlich konfliktfreier Funktionstüchtigkeit einer multifunktionalen Fläche

Die Ergebnisse der bundesweiten Befragung im Projekt „Natur Urban – Gewerbegebiete im Klimagebiete“ verdeutlichen, dass die Umsetzung von naturbasierten Lösungen und multifunktionaler Flächennutzung in Gewerbe- und Industriegebieten mit erheblichen Herausforderungen verbunden ist.

Insbesondere der hohe zeitliche und finanzielle Aufwand stellt eine zentrale Hemmschwelle dar. Maßnahmen wie Entsiegelung, Begrünung oder die Integration wasserwirtschaftlicher Elemente erfordern oftmals beträchtliche Investitionen, deren Nutzen sich erst langfristig einstellt. Insbesondere bei Unternehmen steht meist die kurzfristige Wirtschaftlichkeit im Vordergrund.

Bei der multifunktionalen Flächennutzung wirken insbesondere bürokratische und planungsrechtliche Hürden. Die bestehenden Genehmigungs- und Zuständigkeitsstrukturen sind in der Regel eher auf monofunktionale als multifunktionale Nutzungen ausgelegt. Hier fehlt es häufig an der fachbereichsübergreifenden Zusammenarbeit zwischen beispielsweise Stadtplanung, Umweltamt, Wasserwirtschaft und Wirtschaftsförderung.

Darüber hinaus bestehen Unsicherheiten hinsichtlich der konfliktfreien Funktionstüchtigkeit von multifunktionalen Räumen. In der Praxis wird befürchtet, dass eine Fläche, die mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllt – beispielsweise als Parkplatz, Retentionsfläche und Aufenthaltsort –, in Extremsituationen ihre Funktionen nicht zuverlässig erbringen könnte oder dass unterschiedliche Nutzungsansprüche miteinander in Konflikt geraten. Die langfristigen Vorteile einer multifunktionalen Flächennutzung hängen demnach stark von Pflege, Monitoring und der Akzeptanz der Nutzer:innen ab.

Bei der Umsetzung naturbasierter Lösungen kommt hinzu, dass in den meisten Gewerbegebieten verfügbare Flächen stark begrenzt sind. Der verfügbare Raum wird primär für betriebliche Nutzungen wie Produktionshallen, Logistikflächen, Parkplätze und Verkehrswege beansprucht. Naturbasierte Maßnahmen konkurrieren direkt mit wirtschaftlich relevanten Flächen und haben dadurch oft geringere Priorität. Zudem sind viele Grundstücke vollständig versiegelt oder maximal ausgenutzt, sodass wenig Spielraum für zusätzliche Grünstrukturen besteht.

Zudem bewerten die Unternehmen in Gewerbegebieten Investitionen meist nach klaren betriebswirtschaftlichen Kriterien. Die langfristigen Vorteile naturbasierter Maßnahmen — etwa Kühlung, Regenwasserrückhalt oder verbesserte Aufenthaltsqualität — werden häufig nicht direkt in betriebswirtschaftliche Kennzahlen übersetzt. Diese Unsicherheit führt dazu, dass Maßnahmen als finanziell riskant wahrgenommen werden und Entscheidungen zugunsten kurzfristig günstiger technischer Lösungen ausfallen.

Kommunale Initiative – Engagierte Gemeinde / Stadtverwaltung und gute Zusammenarbeit der Fachbereiche innerhalb der Kommune
Privates Engagement – Engagierte Unternehmensführung / Eigentümer
Planungsrecht – Integration der Maßnahmen in planerischen Festlegungen (Bebauungsplan und Städtebaulicher Vertrag)
Benefits für Unternehmen – Förderprogramme (Programme des Bundes, Landes, der Kommune oder der Region) / Rentabilität für die Unternehmen / Image des Unternehmens
Management – Vorhandensein eines Gebietsmanagements / Beratung vor Ort

Identifizierte Erfolgsfaktoren

Die aufgeführten Hemmnisse sind jedoch nicht unüberwindbar. Erfolgreiche Beispiele aus kommunalen Projekten verdeutlichen, dass durch frühzeitige Beteiligung relevanter Akteur:innen, eine klare Zuständigkeitsregelung sowie gezielte Förderinstrumente naturbasierte und multifunktionale Lösungen in Gewerbegebieten etabliert werden können.
Für das Gelingen multifunktionaler Ansätze sind eine Reihe von Erfolgsfaktoren ausschlaggebend. In der Bundesweiten Befragung wurden demnach folgende Erfolgsfaktoren identifiziert:

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