Potenzialkarte
Handlungsansätze für Ihr Gewerbegebiet
Im vorliegenden Beitrag wird vorgestellt, wie Nachhaltigkeitspotenziale für mehr Klimaresilienz in Gewerbegebieten identifiziert werden können, um als Diskussionsgrundlage für Handlungsansätze zu dienen. Am Beispiel eines Gewerbegebietes in der Stadt Iserlohn werden diese Potenziale räumlich verortet, um daraus Ansätze mit dem Fokus Klimawandel, Freiraumgestaltung und Standortqualität abzuleiten. Die Potenzialkarten wurden federführend von Dr. Sandra Sieber, TU Darmstadt entwickelt.
Bedarf und Ziele
Ansätze zur Bewertung von Nachhaltigkeit gibt es viele. Dort, wo es um ein Ranking oder die Vergabe von Zertifikaten geht, haben sich themenspezifische Verfahren etabliert. Diese Verfahren sollen in erster Linie Vergleiche ermöglichen, sind damit aber auch nicht immer einfach zu handhaben. Wenn es nicht um Zertifikate geht, sondern um das Identifizieren von Nachhaltigkeitspotenzialen und das Anstoßen erster Maßnahmen.
Ziel ist es, Diskussionsprozesse anzustoßen, Sichtweisen auch für Fachfremde verständlich zu machen und Ansatzpunkte für Veränderungen zu entwickeln. Mit diesem Anspruch entstehen Karten, in denen der Ist-Zustand bewertet und Potenziale für eine zukunftsfähige Weiterentwicklung dargestellt wird. Die Wertung der Nachhaltigkeit bildet dabei die Basis der Bestandbewertung, denn letztlich können strukturelle oder bauliche Defizite (und Potenziale) in einem Gebiet immer auch unter dem Aspekt einer nachhaltigen Entwicklung gesehen werden.
Beispiel Gebiet Heide-Hombruch
Das Iserlohner Gewerbegebiet Heide-Hombruch erstreckt sich über eine Fläche von 240 ha, etwa 130 Unternehmen zählt das Gebiet. Es ist eng verwoben mit der umliegenden Wohnbebauung und durch ein ausgeprägtes Relief mit temporären Wasserläufen gekennzeichnet. Letzteres führt dazu, dass bei der Bestandsbewertung dem Hochwasserrisiko besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde. So zeigt die abgebildete Karte die potenziellen Überflutungsflächen rechts und links des Flusses sowie im Umfeld der temporären Wasserläufe. Neben diesen Gefahrenbereichen werden auch Bereiche durch Grafiken (Ikons) hervorgehoben, die bereits erste Ansätze für eine Begrünung und Aufwertung des Gebietes zeigen, wie die artenreichen Blühstreifen. Auch das ehrenamtliche Engagement, das in Heide-Hombruch mit einem eigenen Stadtteilverein sehr stark ausgeprägt ist, wird räumlich verortet.
Im Zuge der Überlegungen, welches Maßnahmenpaket vorangetrieben und in welchen Bereichen begonnen werden soll, fließen zudem städtebauliche Aspekte ein, so beispielsweise, welche Einfahrtsbereiche es ins Gebiet gibt, um dort prägenden Einfluss auf das Gesamtbild zu nehmen. Andere Beispiele sind die Erkundung, welche Räume als Aufenthaltsräume aufgewertet werden könnten, welche räumlichen Trennungen es gibt (z. B. Bahnlinie), welche Straßenzüge prägend sind und welche Art von Gewerbegebäuden in den jeweiligen Straßen dominiert.
Auf diese Weise werden Bestandsbetrachtung und Ansätze einer nachhaltigen Weiterentwicklung des Gebietes räumlich verortet, ohne dass es einer Datenerhebung bedarf. Trotz-dem sind Grafiken zu Datenerhebungen, Thermografiebilder, Solar- und Gründachkatas-ter etc. wertvolle Kommunikationsmittel. So nutzt die Stadt Iserlohn beispielsweise die Darstellung der lokalen „Warming Stripes“, um den Handlungsbedarf für mehr Klimaschutz und Klimaanpassung nicht nur für das Gewer-begebiet, sondern für die gesamte Stadt zu kommunizieren.
Ausblick
Ein Gewerbegebiet, das zukunftsfähig sein will, muss funktionieren und das bringt nach wie vor einen – meist nicht gerade konfliktfreien – Abwägungsprozess mit sich: Gute LKW-Anbindung versus sichere Fuß- und Radwege, mehr öffentliches Grün versus kompaktes Gebiet etc. Eine Potenzialkarte kann diese Konflikte sichtbar machen, Diskussionen in Gang bringen und im besten Fall Lösungswege aufzeigen.
Diese ersten Schritte ersetzen kein Handlungskonzept für ein ganzes Gebiet, aber sie zeigen, dass alle einen ersten Schritt in Richtung Klimaanpassung, mehr Biodiversität und bessere Aufenthaltsqualität tun können. In Kombination können sie feste Bausteine in einem nachhaltigen Entwicklungskonzept sein und den Charakter eines Gebiets entscheidend prägen.
Für eine weitergehende Bewertung des Gebietes nach dem Schema einer „rot-gelb-grün“ Ampelbewertung können die Standortfaktoren identifiziert werden, die den größten Handlungsbedarf erfordern. Dieser Potenzialcheck wurde ebenfalls federführend von der TU Darmstadt erstellt, zusammen mit Modellkommunen und dem WILA Bonn erprobt und wird als Dienstleistung vom WILA Bonn angeboten. Einen Einblick in den Potenzialcheck ergänzend zur Potenzialkarte finden Sie hier: www.gewerbegebiete-im-wandel.de
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