Übersicht wirkungsvoller Maßnahmen

Aufgrund der Vielzahl möglicher Möglichkeiten, mit denen durch einfache Begrünung den Auswirkungen des Klimawandels entgegengewirkt werden kann, stellt sich vor der Umsetzung von Maßnahmen die Frage, welche Maßnahmen am wirkungsvollsten sind. Um hier Antworten zu finden, wurden im Projekt „Natur Urban“ Befragungen und Interviews durchgeführt und Maßnahmen identifiziert, die die größte Wirkung versprechen. Dreh- und Angelpunkt ist die persönliche Definition des Begriffes „Wirkung“.

Daher wurden Beispiele folgender Wirkungsdefinition zusammengestellt, die zum Nachahmen empfohlen werden:

Wirkung mit wenig Aufwand für den Einstieg

Gerade für den Einstieg sollte ein gutes Gleichgewicht zwischen Aufwand und Wirkung bestehen, wobei hier vorrangig die Wirkung gegen sommerliche Hitze in den Blick genommen wurde. Es werden zum Einstieg eher einfach Maßnahmen empfohlen, wie z. B. eine Einsaat von Blumenwiesen oder eine Fassadenbegrünung, Beispiele siehe unten.

 

Maßnahmen mit Wirkung ins Team

Bei der Wirkungsbetrachtung spielt aber nicht nur die mikroklimatische Wirkung eine Rolle, sondern auch die Identifikation der Belegschaft mit der Maßnahme. Im Idealfall werden die Maßnahmen befürwortet oder sogar zusammen geplant. Als besonders wirkungsvoll haben sich in diesem Sinne z. B. das Anlegen begrünter Outdoor-Pausenräume oder das Anpflanzen von Streuobstwiesen erwiesen, Beispiele siehe unten.

 

Maßnahmen mit Wirkung nach außen

Ein Wirkungsverstärker ist unbestritten die Sichtbarkeit von Maßnahmen. Dies zieht Nachahmungseffekte der Nachbarschaft nach sich und weckt die positive Aufmerksamkeit von Kund*innen und Besucher*innen. Sichtbare Maßnahmen befinden sich überwiegend im Eingangsbereich (z. B. Staudenpflanzung) oder auf privaten Verkehrsflächen (z. B. Baumpflanzungen), Beispiele siehe unten.

Wirkung auf kleiner Fläche

Es müssen nicht immer große Flächen sein, die für naturbasierte Maßnahmen bereitgestellt werden. Gerade mit Blick auf das Gebäude ist im Bereich von Dach- und Fassadenbegrünung sehr viel möglich, wenn auf dem Firmengelände selbst jeder Meter als Wirtschaftsfläche gebraucht wird. Viele Unternehmen verlagern sich aber auch auf Hochbeete, wenn eine Entsiegelung aus finanziellen Gründen oder wegen Altlasten nicht möglich ist, Beispiele siehe unten.

 

Wirkungsverstärkung durch die Kommune

Um die größtmögliche Wirkung für das gesamte Gewerbe- und Industriegebiet zu erzielen, ist es sinnvoll nicht nur die Unternehmensflächen, sondern auch die öffentlichen Räume einzubeziehen. Oftmals ist die öffentliche Fläche in Bestandsgebieten auf den Straßenraum begrenzt, so dass die Kommunen nur die Möglichkeit haben, naturbasierte Maßnahmen auf Verkehrsinseln, als Straßenbegleitgrün oder auf öffentlichen Parkplätzen umzusetzen, Beispiele siehe unten.

Potenzielle Begrünungsmaßnahmen

 

Wenn man ein ganzes Gewerbegebiet in den Blick nimmt – wie hier exemplarisch ein Gebiet in Süddeutschland – finden sich zahlreiche Möglichkeiten für wirkungsvolle Begrünung. Gerade ein Luftbild zeigt gut, wo Raum für Dachbegrünung, Fassadenbegrünung, natürliche Aufenthaltsbereiche, entsiegelte und bepflanzte Verkehrsflächen oder multifunktional genutzte Wirtschaftsflächen ist.

Das hier abgebildete Gebiet steht stellvertretend für viele Gebiete: Vergleichen Sie es mit ihren eigenen Gebieten und erhalten Sie Anregungen aus den verlinkten Beispielen aus ganz Deutschland!

Dachflächenbegrünung

Eine extensive oder intensive Dachbegrünung sorgt für eine natürliche Dämmung der Innenräume. Zudem verbessert sie das Mikroklima

Der Aufwand der Umsetzung ist für Unternehmen insbesondere bei neuen Dächern und bei Kiesdächern gering. Extensive Begrünung ist bei Neubau mittlerweile sogar oft Standard.

Besonders oft werden Dachbegrünungen umgesetzt, wenn das Dach ohnehin erneuert werden muss oder wenn es sich bisher um Flachdächer mit Kiesbelag gehandelt hat und somit die Traglast problemlos ist.

Beispiele:

  • Extensive Dachbegrünung – Fa Lemp, Remscheid
  • Extensive Dachbegrünung mit PV- Spaleck GmbH
  • Intensive Dachbegrünung – Fruchthof Konstanz

Fassadenbegrünung

Durch eine wand- oder bodengebundene Fassadenbegrünung verbessert sich die Gebäudedämmung gegen Hitze im Sommer und Kälte im Winter. Zudem senkt der Bewuchs die Umgebungstemperatur und verbessert somit das Mikroklima in der direkten Umgebung.

Der finanzielle Aufwand für die Umsetzung ist für Unternehmen insbesondere bei bodengebunder Bepflanzung gering, insbesondere wenn es sich um selbstrankende Pflanzen handelt. Dann muss man jedoch einen gewissen Pflegeaufwand einplanen. Bei Kletterpflanzen mit Rankhilfe fällt der Pflegeaufwand oft geringer aus, allerdings ist der finanzielle Aufwand für die Rankgitter einzuplanen.

Fassadenbegrünungen werden besonders häufig zur Aufwertung von Aufenthaltsbereichen und Eingangssituationen genutzt.

Beispiele:

  • Bodengebundenen Fassadenbegrünung – MVA Oberhausen
  • Wandgebundene Fassadenbegrünung – WILO SE Dortmund
  • Bodengebundene Fassadenbegrünung – Spaleck GmbH, Bocholt

Aufenthaltsbereich

Die klimatische Wirkung der Grüngestaltung von Aufenthaltsbereichen der Belegschaft hängt sehr stark damit zusammen, wie groß und aufwendig man die Fläche plant. Sollte ein größerer Bereich möglich sein, ggf. sogar mit Anlegen eines Teichs oder von Bäumen, ist die klimatische Wirkung höher und sogar Retention möglich. Neben der klimatischen Wirkung entsteht aber eine große positive Wirkung auf die Belegschaft.

Der Aufwand für das Unternehmen kann flexibel gestaltet werden und ist sogar in Eigenarbeit attraktiv umsetzbar. Dabei ist eine Einbeziehung der Belegschaft möglich, die im Team eine zusätzliche Identifikation schafft. Wenn die Fläche für Mitarbeitende mehrerer Unternehmen frei zugänglich sein soll, bietet sich die Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Unternehmen an.

Beispiele:

  • Bepflanzte Aufenthaltsfläche – Hahn+Kolb GmbH, Ludwigsburg
  • Bepflanzung mit Retention – Mitsubishi GMbH, Ratingen

Private Verkehrsfläche

Gute Ansatzpunkte für naturbasierte Lösungen bietet sehr oft die Parkplatzfläche eines Unternehmens. Hier kann durch Entsiegelung die Wasserdurchlässigkeit des Bodens ermöglicht werden, wodurch nicht nur die Hochwassergefahr gebannt, sondern auch die Bodenkühlleistung verbessert wird.

Der Aufwand für die Umsetzung variiert. Sollte der Parkplatz aktuell noch asphaltiert sein, ist die Entsiegelung und Entsorgung etwas kostspieliger als wenn es sich um einen gepflasterten Parkplatz handelt. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Bepflanzung im Winter ggf. durch Kantensteine vor Streusalz geschützt werden muss.

Trotzdem lohnt der Aufwand, insbesondere da zunehmend Mitarbeitende vom Homeoffice aus arbeiten und Teile der Parkplätze leerstehen und eine natürliche Grüngestaltung Schatten für Autos spendet und eine optische Aufwertung für Besucher*innen darstellt.

Beispiele:

  • Bepflanzter Parkplatz – Fa Spir Star, Rimbach
  • Bepflanzung mit Retention – Zufall Logistik GmbH, Göttingen

Öffentliche Verkehrsfläche

Auch wenn es in Gewerbe- und Industriegebieten in der Regel nur wenige öffentliche Flächen gibt, sollten Straßenbegleitgrün, Kreisverkehre und öffentliche Restflächen nicht außer Acht gelassen werden. Sie können entsprechend gestaltet einen guten Beitrag zur Durchlässigkeit des Bodens leisten und dazu beitragen, Niederschlagswasser zu versickern, zu speichern und zu verdunsten.

Das macht insbesondere dann Sinn, wenn vorhandene Retentionsgraben/-mulden, Parkplätze oder Feuerwehrzufahrt als Versickerungsfläche genutzt werden können. Viele Kommunen haben entsprechende Schwammstadtkonzepte, die hier ebenfalls greifen können.

Beispiele:

  • naturnahe Bepflanzung des Gebietseingangs – Kommune Winhagen
  • Baumpflanzung als Straßenbegleitgrün – Kommune Wallenhorst
  • Schaffung einer Retentionsmulde – Kommune Dinslaken
  • Anpflanzung eines Mikrowalds – Kommune Bremen

Wirtschaftsfläche

Die einfachste naturbasierte Lösung auf Wirtschaftsflächen, die keiner großen Belastung ausgesetzt sind, ist die Wieseneinsaat. Dafür sind auch Schotterflächen geeignet, ohne dass der Boden mit Nährstoffen angereichert werden muss. Der hier gepflanzte Kräuterrasen kann auch wie vorher genutzt werden und ist begehbar.

Durch diese Maßnahme hält der Boden das Niederschlagswasser besser und kühlt die Umgebung. Die Bepflanzung ist zudem eine gute Lösung zur Befestigung von Hanglagen.

Der Aufwand ist gering, insbesondere wenn man eine Einsaat für magere Böden nimmt. Gleichzeitig stellt eine Einsaat von Wildblumen eine Aufwertung des Einheitsgrüns und Einheitsgraus dar. In Kombination mit der Einbindung einer Imkerei dient die Fläche sogar zu Marketingzwecken.

Beipiele:

  • Entsiegelung und Einsaat von Naturwiese – Prologis/Yusen Logistics, Bottrop

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